Anlässlich der Herbst-Seminare haben wir uns daran gemacht, die Rolle der inneren Organe im Gesamtgeschehen „Gesundheit“ näher in Worte zu fassen. Gerade unsere Sprache ist ein tolles Medium dafür! Hat sie doch schon lange erkannt, dass die Seele sich durch unsere Organe ausdrücken kann. „Einen dicken Hals kriegen“ sagt man zum Beispiel und realisiert erst als Betroffener, dass viel zu viel geschluckte Wut und psychische Selbstvergewaltigung tatsächlich zu einer autoimmunen Schilddrüsenüberfunktion beitragen können. Dann schwillt der Hals an und verliert seine stolze, schlanke Kontur. Zu jedem Organ gibt es diese Sätze, die wahren Tiefgang haben. Um so wichtiger ist es, dass wir lernen, wieder auf unsere Organe zu hören. Sie sind es, die oft die ersten Anzeichen für Unstimmigkeiten in unserem Alltag, Tun und Lassen geben. Lernst du wieder, sie zu verstehen, führt das unweigerlich immer näher zu dir selbst. Und zwar so, wie du wirklich tickst. Authentisch, mit all deinen Anlagen, Sehnsüchten und angeborenem Potential. Natürlich ist der Weg über Erkrankungen und die Suche nach einer Aussagekraft dahinter die harte Tour. Um so wichtiger ist es, dass wir als Behandler bereits frühe Anzeichen erkennen und mit der Lebenssituation oder dem Thema eines Menschen in Verbindung bringen können, der Hilfe bei uns sucht.
Die eigenen Organe sind hierbei für jeden Behandler ein phantastisches Übungsfeld! Und bedürftig sind sie höchst wahrscheinlich noch dazu. Bei dem einen leidet unter Stress vor allem das Herz-Kreislauf-System, beim Zweiten sind es die Atemwege, und beim dritten sind zuerst die Nieren und Harnwege betroffen. Sie alle sind schließlich nicht für den immensen, inneren Druck gemacht, dem wir uns im Alltag oft ungefragt unterwerfen. Sondern vielmehr sind sie darauf ausgelegt, dass wir unseren eigenen Platz und Rhythmus finden. ausfüllen und leben. Mit der Kraft, die sich dann frei setzen lässt, macht der Dialog mit dem Leben erst so richtig Spaß!
Was möchte uns ein chronisch zu hoher Blutdruck eigentlich sagen? Doch sicher nicht, dass wir bestens mit ß-Blockern und Co samt all ihrer Nebenwirkungen bedient wären, indem wir so weiter machen, wie bisher? Auch die Leber ist von Fremderwartungen nicht sehr erbaut. Wohl kannst man ihre Vision vom Leben mit zu viel Alkohol zum Schweigen bringen, gesund und glücklich macht das aber nicht. Da „kocht“ dann schon einmal „die Galle über“. Von kleineren Hindernissen hat man eher mal „die Nase voll“. Sprich man bekommt einen Infekt, der idealer Weise ins Bett schickt, so dass mitten im Alltagswahnsinn der körperliche Reset Button gedrückt werden kann.
In der chinesischen Medizin ist der Herbst die Zeit des Metalls: die Konzentration auf das Wesentliche, der Abschied vom Unwesentlichen und auch das Feeling für die richtige Distanz. Die Natur selbst kleidet sich nun in ihr farbenprächtiges Sterbekleid, bevor sie die Blätter abwirft, die sie zum Überleben im Winter nicht braucht. Zugehörige Organe des Metall-Elements sind passender Weise u.a. Dickdarm und Lunge. Da stellt sich natürlich die Frage, durch welche Lebenseinstellung zum Beispiel chronische Verstopfung begünstigt werden mag. Oder Durchfall. Oder durch welche fehlende Distanz ein Asthmaanfall ausgelöst wird. „Die Luft zum Atmen rauben“, sagt dazu unsere Sprache. Welche überlieferten Zusammenhänge fallen dir spontan ein, die du vielleicht schon oft in den Mund genommen hast, ohne weiter darüber nach zu denken?
Und wie wichtig ist es für deinen eigenen Alltag, mehr auf die inneren Organe zu lauschen und dich nach dem zu richten, was sie möglicherweise schon lange behaupten?
Es zeugt nämlich keinesfalls von Schwäche, genau das zu tun. Im Gegenteil. Es führt zu einem Handeln, bei dem unser Tun immer mehr dem tatsächlichen Sein entspricht. Das macht nicht nur stärker und glücklicher, sondern auch immer freier und gesünder.

 

Ich wünsche dir einen sonnigen, warmen Herbst!

Herzlich, Anke