Was genau tut eigentlich die DOI, das ihre Anwendungen oft so erfolgreich macht? Und weshalb erheben wir zwar gute und umfassende Anamnesen, reiten jedoch nicht bis zum Erbrechen auf einzelnen Krankheitssymptomen herum?

Die simple Antwort ist, dass die DOI das Gesunde so intensiv und lange stärkt, bis das Kranke seine Macht verliert. Dazu ist durchaus erforderlich, dass wir wissen, was krank ist, und weshalb. Sobald die Zusammenhänge erfragt und uns bewusst vor Augen sind, wenden wir uns jedoch auch schon all dem Gesunden in dem Menschen zu, der vor uns sitzt.

Unser Gegenüber besteht ja nicht nur aus Fehlfunktionen, streikenden Organen oder schmerzenden Gelenken. Ganz im Gegenteil. Sondern er oder sie trägt alle Anlagen zur Gesundheit in sich, auch wenn diese – wie bei uns selbst – im Laufe des Lebens mehr oder weniger verschütt gegangen sind.

Die Bestimmung ist da, und auch die ganze Sehnsucht, sie zu leben. Die besonderen Kompetenzen sind da, auch wenn sie im handelsüblichen Alltag nur allzu oft unter gehen. Die einzigartigen und tatsächlich einmaligen Anlagen sind da, die speziellen Begabungen, das ganze Potential.

Du siehst schon, dass ich beim Schreiben nicht zwischen körperlicher Krankheit und Ausdruck von Seele und Geist zu trennen vermag. Wir sind im Laufe der Zeit zu der Einsicht gekommen, dass das eine wohl oft ein Ausdruck des anderen ist.

Bedeutet das für dich als Therapeutin/Therapeuten nun, dass du immer gleich die ganze Seelenarbeit aufrollen musst, nur weil jemand mit Rückenschmerzen zu dir kommt?

Nein, natürlich nicht.

Meistens reicht es vollkommen aus, liebevoll und sanft zu behandeln. Unaufgeregt noch dazu: Ein paar wenige, einfache Techniken wirken oft mehr, als viele komplizierte. Weil jede Technik um so klarer wird, je schlichter sie aufgebaut ist. Und weil der Körper bei einem so klaren Signal selber recht gut erkennen kann, wo er gerade aus dem Lot geraten ist. Die Erfahrung zeigt: Sobald er das rafft, tut er selber alles, um die Mitte wieder zu finden.

Weil du also nur wenige, einfache Griffe brauchst, hast du in dieser Zeit deutlich mehr Ruhe für deine/n Klientin/en. So bleibt dir die Muße, auf die unmittelbare Körperantwort zu lauschen, die deinen Händen und deinem Blick noch unter der Anwendung vermittelt wird.

Obwohl die Techniken immer die gleichen sind, ist jeder Behandlungsverlauf doch sehr individuell. Bei dem einem Menschen ist die Reaktion auf die ISG-Befreiung im Stehen wirklich gut, und der andere profitiert besonders vom Einrichten des Kreuzbeins mit MET. Dabei sind beide mit den gleichen Beschwerden gekommen.

Wann immer wir jeglichen, starren Leitfaden ablegen, durch den jeder Mensch ohne Ansehen von Vorgeschichte und aktuellem Ergehen quasi hindurch geschleust würde, sondern uns vielmehr von jeder/jedem Klientin/en aufs Neue durch die Anwendung leiten lassen, ist dem beidseitigen Erfolg Tür und Tor geöffnet.

Und genau dabei fließt mit ein, was unser/e Klient/in und ihr/sein Körper an Stärken besitzt. So ist es für den einen einfacher, eine Behandlung im Stehen anzunehmen und anschließend noch einen wirkungsvollen, kleinen Spaziergang zu machen, bei dem das Muskelspiel sich selber harmonisieren kann. Vielleicht hat dieser Mensch ohnehin einen großen Hang zur Bewegung und macht auch die Hausaufgaben – einfache Eigenübungen – mit Schmackes.

Ein anderer Mensch kann dagegen mehr durch die Kraft seiner Gedanken bewegen und ist gut von uns bedient, wenn wir das erkennen und für den Gesundungsweg nutzen. Hier mag ein Wort helfen. Eine Bemerkung zum ein oder anderen Gesundheits-Zusammenhang. Beim Dritten mag unterstützend eine Cranio-Sitzung angebracht sein, die dort Entspannung bringt, wo übergroße Ängste die Kraft blockiert haben, die dieser Mensch zur Selbstheilung besitzt.

 

Herzlich,
Anke