Langweilig wird es bei der Suche nach Gesundheit ja nicht. Um so weniger, je näher wir ans Finden kommen. So materialisierte sich hier kürzlich auch die schon lang bekannte, wie neu erscheinende Erkenntnis, dass „feinstofflich“ und „feststofflich“ sich nicht wirklich trennen lassen.Und was bedeutet das konkret im Behandlungs-Alltag?
Dass es einerseits nicht reicht, die Kraft der Gedanken, des Willens und des Gebets wirken zu lassen.
Und dass es andererseits nicht reicht, nur körperlich zu ticken.
Sondern dass es idealer Weise immer beides braucht.

Wenn ich mich so umsehe, glaube ich nicht, dass wir alle die gesundende Mischung aus beidem schon gefunden haben. Gerade in letzter Zeit bin ich vielen ärztlichen Kollegen/innen begegnet, die doch recht materiell gepolt sind. Lediglich Laborergebnisse zählten, und harte Dosisfakten. Bereits die Psyche der oder des Behandelten blieb dabei weitgehend außen vor. Von heilsamem Gedankengut erst ganz zu schweigen. Dann wieder bin ich Menschen begegnet, die sehr spirituell ausgerichtet sind. Helfer und Verbündete wurden angerufen und dabei fast vergessen, dass unser Körper zur Gesundung eben nicht nur das Feinstoffliche braucht, sondern durchaus auch die schnöde, diesseitige Substanz. Samt Eigeninitiative, heilsamer Nahrung und Bewegung.
„Halb Tier, halb Gott“ heißt es in Chirons Geschichte, der den Weg des verletzen Heilers ging. Und da wir beides in uns tragen, gilt es doch sicher auch, für beides zu sorgen.

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Selber durfte ich die Kraft des Gebets auf eine Art und Weise erfahren, die schützt, stützt und trägt. Auch habe ich die Macht meines eigenen Willens inzwischen kennen, trainieren und einsetzen gelernt. Und ich bin so lange durch meine Emotionen gereist, bis kindliche Bedürfnisse und eigene Ängste sich inzwischen klar von denen meiner Gegenüber unterscheiden lassen.
All das, so denke ich, sind unabdingbare Voraussetzungen für echte Gesundheit – und für erfüllendes Glück. Doch ausreichend sind sie nicht.

Es reicht nicht, wenn wir uns neben einen Verhungernden in die Wüste setzen und für sein Überleben beten, an seinen Willen appellieren und seine Selbstheilungskräfte durch noch so sanfte und liebevolle Griffe anzuregen versuchen – auch Brot muss her! Sprich, all die Stoffe und das Milieu, das ein Körper für Kraft, Selbsterhalt und Wachstum braucht.
Dann erst können wir dafür beten, dass er davon zehren und sich erhalten kann. Dann erst können wir durch unsere Techniken unterstützen, dass die Stoffe entsprechend aufgenommen und umgesetzt werden. Dann erst können wir erwarten, dass der Wille unseres Gegenüber überhaupt erst die Baugrundlage hat, auf der echte Gesundheit sich aufbauen lässt.

Dabei ist das „Brot“ heute gar nicht mehr so leicht zu erkennen. Genauso wenig, wo es unbemerkt schon ewig fehlt. Der Rhythmus der Natur wurde längst durch fixe Zeitvorgaben abgelöst. Heilpflanzen, die früher zugleich wie selbstverständlich Nutz- und Nahrungspflanzen waren, sind vielerorts aus dem Bewusstsein verschwunden. Mit ihnen die lebendige Zufuhr an Nährstoffen, Spurenelementen und Sonnenkraft, die sie in sich tragen. Medikamente werden zwecks termingerechtem Krankheitsunterbruch schnell verordnet. Nicht selten beeinträchtigen sie dann Milieu, Stoffwechselvorgänge und auch die in sich so zusammenhängenden Hormonsysteme des Körpers – ohne dass anschließend noch groß darauf geachtet würde, diese Gleichgewichte auch wieder her zu stellen. Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse fluten den Markt. Sie werden gern qualitativ zitiert, ohne dabei noch auf ihr Maß zu sehen, das bei der Aufnahme von Nahrung doch so eine große Rolle spielt. Denn unsere Selbstdisziplin wird durch die übliche Mehrfachbelastung im Alltag ja stets untergraben. Animierte Freizeitgestaltung ist in, echte Erholung und der Draht zum eigenen Körper sind schon lange out.

Ich glaube, dass es sich lohnt, all das im Hinterkopf zu behalten, wenn andere Menschen Hilfe bei uns suchen, wenn sie Beschwerden und Krankheit schildern. Beides entsteht ja nicht völlig los gelöst von alltäglicher Lebensgrundlage oder Umgebung.

Mehr denn je ist mir in der letzten Zeit bewusst geworden, wie sehr bei allen Anwendungen auch die Lebensgewohnheiten berücksichtigt werden wollen, Vorlieben und Abneigungen, Ess- und Schlafverhalten und vieles mehr, wenn eine gute Technik auch entsprechend wirken soll. Und das bedarf begleitend zur Anwendung durchaus des gezielten Wortwechsels, des Nachdenkens und der gegenseitigen Auseinandersetzung.

Jetzt könnte ich natürlich noch seitenweise weiter machen, verlasse an dieser Stelle aber lieber die Tasten: die Sonne kommt hervor! Es gilt, die Rosen zu begrüßen, meine Tomaten aus zu zupfen, etwas Brennnesseln und Minze aus dem Kräuterbeet zu essen. Dann ziehe ich mit den Hunden los, um den frisch durchnässten Waldboden zu schnuppern und die Luft zu genießen, an der ich mich nun bewegen darf.

Hab einen guten Tag!
Herzlich,
Anke und das DOI-Team